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Der dankbare Gnadenplatzhund – oder doch nur eine romantische Illusion?

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Wenn man sich heute in den Medien umschaut, dann wird man förmlich zugeschüttet mit Anzeigen von Hunden, die ein Zuhause suchen. 

Hunde, die
ganz arm gucken
soooo lieb sind
in ihrem eigenen Dreck sitzen
misshandelt wurden
von der Straße gerettet wurden
wegen Allergie weg mussten
vom Jäger ausgemustert wurden
alt und krank sind
und und und …

Schnell kommt dann der Wunsch auf, den ein oder anderen „retten“ zu müssen. Ach, der bekommt einen Gnadenplatz bei mir, da hat er es nochmal richtig gut in der Zeit, die ihm noch bleibt! Ein wirklich schöner und ehrenwerter Gedanke! Aber leider wird der oft nicht zu Ende gedacht. 

Was ist, wenn der Hund – vermeintlich gesund angereist – plötzlich nichts mehr frisst, sich dauernd erbricht, anfängt zu humpeln, sich zu kratzen oder die Augen tränen? Dann geht der verantwortungsbewusste (Neu-)Hundehalter zum Tierarzt. Ultraschall, Röntgen, Zahnsanierung, Spezialfutter, Medikamente, Blutentnahmen, Mittelmeercheck, Wurmtest, Physiotherapie … sind nur eine kleine Auflistung der Dinge, die dann für den Hund notwendig und bezahlt werden müss(t)en. Ratzfatz ist man da mehrere hundert Euro los. Nicht nur, aber gehäuft alte Hunde haben oder bekommen so ihre Wehwehchen. Da geht´s de Hund wie de Leit. 

Aber es gibt doch Krankenversicherungen für Hunde! Ja, gibt es. Aber die meisten nehmen Hunde nur bis zum 7. Lebensjahr auf und auch nur, wenn sie gesund sind. Für eine Hundekrankenversicherung kommen locker 600 – 900 Euro im Jahr zusammen

Unabhängig vom Geld gibt es natürlich auch noch andere wichtige Gesichtspunkte, mit denen man sich VOR der Übernahme eines Gnadenplatzhundes Gedanken machen sollte:

Bin ich bereit, ggfs. mehrmals die Nacht mit dem Hund raus zu gehen, weil er sein Geschäft nicht mehr so lange halten kann? Tagsüber natürlich das gleiche?

Traue ich es mir zu, mit einem tauben oder blinden Hund zu kommunizieren? 

Kann ich meine Spaziergänge dem Tempo und der Kondition des Hundes anpassen? Oder soll der Hund auf jeden Fall immer und überall hin mitkommen?

Möchte ich Sport mit dem Hund machen?

Möchte ich meinen Urlaub nach dem Hund ausrichten? Viele Hotels erlauben keine Hunde, haben viele Treppen oder liegen mitten im Stadttrubel ohne Grünfläche in der Nähe. 

Würde ich meinem Hund zuliebe auch auf den lange geplanten und ersehnten Urlaub verzichten, wenn es ihm nicht gut geht?

Alte Hunde neigen dazu, immer in meiner Nähe sein zu wollen. Halte ich das aus?

Bin ich gerne und oft unterwegs? Mit alten, kranken Hunden ist man ihnen zuliebe öfter zu Hause als mit jungen, fitten.

Bekomme ich oft und wechselnden Besuch? Leben aktive und laute Kinder im Haushalt? Das ist für alte, kranke Hunde oft ein großer Stressfaktor.

Und ein ganz wichtiger Punkt: Ist mir bewusst, dass ein alter Hund nicht mehr allzu viel Lebenszeit haben wird? Werde ich ihn zum richtigen Zeitpunkt gehen lassen können?

Auch diese Liste könnte ich weiterführen und würde ganz sicher immer noch das ein oder andere vergessen. 

Wenn ich einem Hund einen Gnadenplatz anbiete, dann soll es auch der letzte Platz sein, auf welchem der Hund bis zu seinem Lebensende bleiben darf. Das sollte mir klar sein. 

Auf der anderen Seite gibt es sie natürlich, die völlig problemlosen, gesunden, netten, pflegeleichten Hunde, bei denen man kaum merkt, dass sie da sind. Ich kann es nicht belegen, aber ich würde schätzen, dass diese Hunde eher in der Unterzahl sind. Alte Hunde bringen eine Geschichte mit, die nur sie kennen. Nur sie wissen, warum sie in bestimmten Situationen so reagieren, wie sie reagieren. Nur sie wissen, warum sie vor bestimmten (oder vor allen) Menschen Angst haben. Nur sie wissen, wo genau es weh tut und wo man sie daher besser nicht anfassen sollte. 

Was ich damit sagen will: Wenn man einen alten Hund bei sich aufnimmt, muss man immer darauf gefasst sein, dass er etwas zeigt, mit dem man selbst nicht gerechnet hat. Und wenn das rauskommt, wäre es schön, wenn man damit umgehen kann. Denn zuvor hat man schließlich JA zu diesem Hund gesagt!

Wenn ich mir über all das vorab intensiv Gedanken gemacht habe, finanziell in der Lage bin für zusätzliche Kosten aufzukommen, mein Haus für einen alten Hund eingerichtet ist, alle Familienmitglieder diese Entscheidung unterstützen und mittragen und ich an den neuen Hund keine Erwartungen habe, dann würde ich sagen: Los geht´s, erkundige dich, hole so viele Infos wie möglich ein und dann gib einem alten Hund die Chance, nochmal ein geliebtes Familienmitglied werden zu dürfen!

An meine Gnadenplatzhunde hatte ich keine Erwartungen und sie geben mir so viel zurück, dass ich mich manchmal frage, womit ich das verdient habe. Irgendwas scheine ich richtig gemacht zu haben. Und jetzt frage ich mal bei ihnen an, ob ich vielleicht auch ein kleines Eckchen der Couch haben darf. Denn das lieben sie alle: Weiche, kuschelige Plätzchen! Vielleicht hatten sie vorher noch nie eins, wer weiß …

Schnickschnack, geschätzte 11 Jahre, Gnadenplatzhund, pinkelte anfangs alles im Haus an, hat gesundheitliche Baustellen und einen starken Charakter, ist so liebenswert, dass ich ihn den ganzen Tag knutschen könnte

12. Juni 2022 – Tag des Hundes

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Wie schön! Ich freue mich für jeden Hund, der ein sicheres, liebevolles Plätzchen bei verantwortungsvollen Menschen gefunden hat. Wirklich! Ich finde, diese wunderbaren Wesen (und ich meine hier die Hunde) haben es verdient, dass man sie gut behandelt. Und jeder, der einen Hund in sein Leben aufnehmen möchte, sollte sich bitte vorher ausreichend und ernsthaft Gedanken machen, ob es nicht nur eine Idee für den Augenblick ist. Unsere Hunde können sich ihr Leben nicht aussuchen, wenn wir sie zu uns nehmen. Ab dem Moment, in welchem sie über unsere Türschwelle laufen, sind sie von uns abhängig – für den Rest ihres Lebens. Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt, ist das doch eine recht große Verantwortung, die wir da auf uns nehmen, oder?!?

Ich gebe immer mein Bestes, um Hundehaltern den verantwortungsvollen Umgang mit ihren Tieren nahezubringen. Und es rührt mich, wenn ich sehe, wie aus einem „Mensch mit einem Hund an der Leine“ ein Team wird, bei dem beide nicht zu kurz kommen. 

Aber manchmal, nur manchmal, stoße ich an meine (auch emotionale) Grenze. Das ist z.B. der Fall, wenn mir Hundebesitzer sagen, „dass ihre Hündin gerne einmal Babies haben soll“. Weil „die ja so süß sind und sie dann gerne eins behalten möchten“. Und wo bleiben die restlichen 9-12??? Können diese Menschen, die die Welpen 8-12 Wochen lang (hoffentlich artgerecht, liebevoll und sehr arbeitsintensiv) großgezogen haben, sie wirklich an Fremde abgeben? Können sie garantieren, dass alle Welpen ein artgerechtes Zuhause finden und ein glückliches Leben leben werden? Man kann den Menschen nur bis vor die Stirn gucken. Was dahinter an Gedanken abgeht, kann man nur erahnen und hoffen, dass es gut geht. Ich beziehe mich bei diesem Beispiel auf Familienhundbesitzer (die sich gerne auch mal „Hobbyzüchter“ nennen) und nicht auf registrierte Züchter. Ein guter Züchter hat eine Menge Arbeit, BEVOR er erstmal an Welpen denken kann. Er investiert viel Zeit, Mühe und Geld in die Zuchtzulassung, die Suche nach einem adäquaten Deckpartner (nix mit „Nachbar´s Lumpi, der ja soooo süß ist und von dem sich meine Hündin bestimmt gerne poppen lassen würde“). Hundezucht – gut gemacht – ist aufwändig, seriös und artgerecht. Ich habe keine Ahnung, wie viele Züchter es allein in Deutschland gibt. Aber es sind eine ganze Menge. Muss man da noch zusätzlich absichtlich „Wildwuchs“ dazu schmeißen? Ich finde nein. 

Ein weiteres Beispiel sind die Leute, die das Gesicht verziehen, wenn ich sage, dass ich tatsächlich mehrere Hunde habe. Bis auf einen (den habe ich mir ganz bewusst ausgesucht) waren alle anderen „übrig“, „nicht mehr gewollt“, „alt und ausgemustert“, „aggressiv“ oder mussten aus irgendwelchen anderen Gründen „weg“. Sie kommen von Tierschutzorganisationen oder von Privatpersonen. Bei uns haben sie Familienanschluss gefunden, leben im Haus und sind in die Hundegruppe integriert. Manchmal ist auch ein Pflegehund dabei, den wir auf ein neues Zuhause vorbereiten. Die Rentner dürfen auf der Couch liegen und müssen keine Erwartungen mehr erfüllen. Diejenigen, die Spaß an der Arbeit haben, habe ich zu Assistenz- und Therapiehunden für MENSCHEN ausgebildet. Ich betrachte dies als eine Win-Win-Situation: Dem Tierschutzhund haben wir ein neues, schönes Leben ermöglicht und gleichzeitig bringt er Glück und Hilfe zu Menschen, die es gebrauchen können. Und wenn dann jemand das Gesicht verzieht, weil wir immer mal wieder Hunde aufnehmen, deren Leben von anderen Menschen verbockt wurde und diesen eine 2., 3. oder 4. Chance geben, dann fällt es mir nicht immer leicht, ruhig zu bleiben. 

Tag des Hundes! Helau! Ich werde mich immer für Hunde einsetzen, das steht fest. Vielleicht hat ja der ein oder andere auch mal Zeit, darüber nachzudenken. Ich würde mich freuen. 

Und jetzt gehe ich wieder lächeln und atmen … Bei mir ist nämlich jeden Tag Tag des Hundes.

Erbse, ausgemusterte „Zuchthündin“ vom Jäger, genießt das erste Mal im Leben ein weiches Plätzchen

Oh nein, was für eine Tierquälerei! Oder: Warum es wichtig und richtig ist, Hunde ab und zu mal Stress auszusetzen

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An diesem Wochenende ist Frühlingsmarkt in Lorsch. Traumwetter, strahlend blauer Himmel, um die 27 Grad. Nach über 2 Jahren Coronaeinschränkungen zieht es ganz viele Leute nach draußen. Endlich mal wieder was erleben, andere Menschen sehen und Freunde treffen, ein Schwätzchen halten und die bunten Verkaufsbuden bewundern und das ein oder andere Mitbringsel sichern. Wie schön! Die Laune könnte nicht besser sein!

Erwartungsvoll stehen 8 Menschen mit ihren Hunden auf dem Festplatz im Schatten eines Baumes. Gleich geht´s los! Wir wollen mit unseren Hunden über den Frühlingsmarkt laufen. Warum? Weil es wichtig ist, dass unsere Hunde auch mal stressigen Situationen ausgesetzt werden. Warum ist das wichtig? Weil wir von unseren Hunden erwarten, dass sie uns überall hin begleiten ohne auszuflippen. Warum sollen uns unsere Hunde überall hin begleiten? Weil sie zur Familie gehören, weil wir sie nicht lange alleine lassen wollen (oder können), weil es vielleicht manchmal einfach nicht geht, den Hund zu Hause oder im heißen Auto warten zu lassen. Also muss er dann mit. Und da ist es schön, wenn er vorbereitet ist.

Wir laufen Richtung „Getümmel“ los. Da erklärt eine Teilnehmerin, dass sie nicht weiter mitkommt und sich stattdessen mit ihrem Hund lieber ein Stückchen entfernt in den Schatten setzt und den Hund „nur“ schauen lässt und dann wieder nach Hause fährt. Sie hat festgestellt, dass es einfach (noch) zu viel ist für ihren Hund. Unsere Strategie lautet: Gehe an Orte, an denen der Hund zwar aufgeregt, aber nicht panisch ist. Setze dich dort hin und lasse den Hund schauen. Wenn der Hund zur Ruhe gekommen ist, gehe mit ihm nach Hause. Wenn Hunde in Panik oder völlig aufgeregt sind, dann lernen sie nichts mehr. Deswegen gehen wir genau an diese Grenze und bleiben da (Aufregung/Nervosität darf sein, Panik nein), bis der Hund signalisiert, dass er sich wieder ein bisschen beruhigt hat und mit der Situation klar kommt. Bei nächsten Mal schafft es der Hund vielleicht schon ein Stückchen weiter, ohne in Panik zu geraten. 

Dieses Erkennen, wie sich mein Hund gerade fühlt, ist enorm wichtig für eine gute Mensch-Hund-Beziehung. Wie oft sieht man Hunde, deren Besitzer nicht erkennen oder verstehen, was ihr Hund gerade fühlt oder denkt. Oder die es einfach nicht interessiert. Unsere Hunde sind doch soziale Wesen und sie sind auf uns angewiesen. Ist es da nicht einfach nur fair, sich mit ihrer Körpersprache, mit ihrem Ausdrucksverhalten, mit ihren Gedanken zu beschäftigen? Wir fühlen uns doch auch wohler, wenn wir verstanden werden. Das heißt nicht, dass jede Idee des Hundes auch von mir umgesetzt werden muss. Aber ich kann mein Handeln anpassen und wenn es nötig ist, meinem Hund z.B. Sicherheit oder Führung geben. Dadurch entsteht Vertrauen. Gegenseitiges. Und ja, das mögen Hunde. 

Es gehört eine ganze Portion Mut und Ehrlichkeit dazu in einer Gruppe zu verkünden, dass man einen Ausflug nicht wie geplant mitmacht, weil es für den Hund (noch) nicht passt. Was sagen dann die Anderen? Das ist ja so peinlich! Ach menno, vielleicht denkt jemand, mein Hund ist zu doof … Fantastischerweise gab es in der Gruppe nur Verständnis und lobende Worte für diese Entscheidung. Es ist so toll, wenn alle auf einer Welle schwimmen und verstanden haben, worauf es ankommt! Denn: Was wäre passiert, wenn die Teilnehmerin ihren Hund auf Teufel komm raus durch die Menge gezerrt hätte (das haben wir heute leider bei anderen Besuchern des Frühlingsmarktes gesehen)? Hund und Mensch völlig mit den Nerven am Ende, Hund verliert das Vertrauen in seinen Menschen und lernen tut er nur, dass er beim nächsten Anblick von vielen Menschen noch viel früher Angst bekommt. 

Ich bin stolz auf meine Kundin, die sich für den Hund und gegen diesen Gruppenausflug entschieden hat! Daumen hoch, alles richtig gemacht!

Man kann dieses Vorgehen natürlich nicht verallgemeinern. Es kommt immer auf den jeweiligen Hund und Mensch an. Was für den einen noch zu viel ist und deshalb mehr schaden als nutzen könnte, kann den anderen einen Schritt nach vorne bringen. Deshalb ist es so wichtig, sich die Mensch-Hund-Teams individuell anzuschauen.  

Der Rest der Gruppe stürzte sich dann ins Getümmel. Bereits nach ein paar Metern wurden wir angesprochen, ob wir eine „Schule“ seien. Ja, sind wir. Und wir üben hier mit den Hunden. Wir bekamen Komplimente, wie toll sich die Hunde verhalten und wie ruhig sie sind. Das erfreut natürlich auch das Trainerherz!

Es war wirklich sehr voll. Wir mussten mit den Hunden mittendurch. Und ja, sie waren aufgeregt. Die einen mehr, die anderen weniger. Aber keiner wurde irgendwie komisch, auch nicht, als fremde Hunde, Kinder, Radfahrer, Kinderwagen und ein Rollstuhl vorbeikamen. Wir machten 2 Trinkpausen für die Hunde im Schatten und sind am Ende einmal komplett über den Frühlingsmarkt gelaufen. Insgesamt waren wir ca. 30 min. unterwegs. 

Auf dem Rückweg waren alle platt und müde. Die Hitze tat ein Übriges. Aber ich bin sicher, dass keiner der Hunde davon einen Schaden genommen hat. Im Gegenteil: Sie haben gemerkt, dass wir Rücksicht auf sie nehmen und uns „kümmern“ und somit alles im Griff haben. Und ich kann aus voller Überzeugung sagen:

Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass ich meinen Hund überall hin mitnehmen könnte, wenn ich es müsste!

Und warum? Weil wir es können.

Well done everybody, well done!

Ich kann nicht auf der Couch sitzen bleiben, während in unserer Nachbarschaft ein Krieg tobt!

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Als ich gestern Nachrichten geschaut habe, ist mir mehrmals ein Satz im Gedächtnis geblieben:

„Ihr könnt doch nicht auf der Couch sitzen bleiben, während in Eurer Nachbarschaft ein Krieg tobt und unschuldige Menschen und Tiere ums Leben kommen!“

Ja, ich saß zu diesem Zeitpunkt auf der Couch, umringt von meinen Hunden. Uns allen ging es gut. Wir hatten keinen Hunger, saßen im Trockenen mit Licht und Heizung. Und dieser Satz ploppte immer wieder hoch. Ich weiß nicht, wie es anderen damit geht, aber mir geht´s echt schlecht damit. Und wenn ich dann noch die Bilder dazu sehe, dann fehlen mir die Worte. 

An jeder Ecke werden Spenden gesammelt für die Ukraine. Geflüchtete werden auch bei uns in Deutschland aufgenommen. „Man tut, was man kann.“ Ist das wirklich so? Und wer ist „man“?

Ich für meinen Teil habe beschlossen, dass ich noch ein bisschen mehr tun kann und auch will! Vor ein paar Tagen habe ich bereits eine (für mich) große Summe an einen Tierschutzverein überwiesen, der Menschen und ihren Haustieren in der Ukraine hilft. Das waren alles Einnahmen aus Veranstaltungen, welche ich extra, also zusätzlich zu unserem normalen Programm, als Benefizveranstaltungen für die Ukraine angeboten hatte. Viele Hundebesitzer haben sich beteiligt, haben sogar noch mehr als geplant gespendet und hatten im Gegenzug noch viel Spaß mit ihren Vierbeinern. Das war so großartig!

Für jeden Tierbesitzer, der sein Tier liebevoll in die Familie aufgenommen hat, wäre es ein Albtraum, sein Tier einem unbekannten Schicksal überlassen zu müssen, ohne zu wissen, was mit  ihm passiert. Ich habe Videos gesehen, in welchen Pferdebesitzer ihre Tiere aus purer Verzweiflung einfach freigelassen haben, weil sie sich nicht mehr um sie kümmern konnten (zu gefährlich aufgrund der Bombardierung) oder weil sie sie nicht mitnehmen konnten auf die Flucht in ein sicheres Land ohne Krieg. Hunde, Katzen und Kleintiere werden in Wohnungen alleine zurückgelassen, Tierheime werden bombardiert. Was ist das für eine Welt?!?

Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie es sich anfühlen muss, wenn man sein geliebtes Haustier in einem Kriegsgebiet alleine zurücklassen muss! Alleine bei diesen Gedanken kommen mir die Tränen. Sie gehören doch zu uns! Sie spenden uns Trost, wenn es uns nicht gut geht. Sie bringen uns zum Lachen. Sie kuscheln sich an und freuen sich über unsere Zuwendung. Unsere Kinder wachsen mit ihnen auf. Und die Menschen in der Ukraine werden von ihren Tieren getrennt, weil sie mit ihnen vielleicht keine neue, sichere Unterkunft finden oder ganz einfach, weil sie kein Geld mehr für Futter haben, oder weil es einfach kein Futter mehr gibt …

„Wir können doch nicht auf der Couch sitzen bleiben, während in unserer Nachbarschaft ein Krieg tobt und unschuldige Menschen und Tiere ums Leben kommen!“

Und genau deswegen habe ich wieder ein paar Sondertermine freigeschaufelt! Auch hier gehen wieder alle Einnahmen ungekürzt an ein Hilfsprojekt, das Menschen und ihre Haustiere aus dem Kriegsgebiet unterstützt.

Wer also etwas Gutes tun möchte und im Gegenzug mit seinem Hund an einer dieser Veranstaltungen teilnehmen möchte, der darf sich ab sofort sehr gerne anmelden!

Hier unser nächstes „Ukraine-Angebot“:

Freitag, 25.03.22, 9:30 h Fungility, 30,- €

Samstag, 26.03.22, 13:30 h, Social Walk, 30,- €

Sonntag, 27.03.22, 11:00 h, Antifress-Workshop (besteht aus 2 Teilen, Teil 2 findet am Samstag, 23.04.22, 13.30 h statt), 85,- €

Freitag, 01.04.22, 9:30 h, Fungility, 30,- €

Und nochmal: ALLE Einnahmen aus diesen Veranstaltungen werden UNGEKÜRZT gespendet!!!

Eigentlich könnte es so schön sein! Zusatzangebote für die Ukraine!

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Helau, Ahoi und Alaaf! Nix davon …

Eigentlich würden wir heute ausgelassen den Rosenmontag feiern. Eigentlich würde sich morgen, am Faschingsdienstag unser schöner Umzug durch die Stadt schlängeln und wieder viele Besucher aus Nah und Fern anziehen. Kinder hüpfen vergnügt in ihren Kostümen über die Straße, an allen Ecken gibt es Kräppel und je nach Wetter Sekt oder Glühwein. Die Laune ist ausgelassen und es wird geschunkelt und gelacht. Vielleicht hätte Corona zumindest ein bisschen was davon zugelassen.

Eigentlich könnte es so schön sein!

Ich stehe heute Morgen im Garten. Das Gras ist gefroren. Sie Sonne schickt ihre ersten Strahlen zu uns. Der Himmel ist blau mit ein paar Schäfchenwölkchen. Ich höre nur vereinzeltes Vogelgezwitscher, sonst herrscht Ruhe. Ich entdecke ein zartes Pflänzchen, das sich seinen Weg aus dem harten Boden zurück erobert hat. Ich bin dankbar, dass ich an diesem Fleckchen Erde lebe!

Eigentlich könnte es so schön sein!

Und dann sind sie wieder da. Diese Gedanken an den Krieg in der Ukraine. Unfassbar, was da seit 5 Tagen passiert! Auch ich war in Schockstarre, als mich diese Nachricht zum ersten Mal erreichte. Ganz viele Menschen berichten darüber. Wie sie sich fühlen. Wie sie diese Nachricht aufgenommen haben. Welch große Angst sie haben und welche Sorgen sie sich machen: Um ihre/unsere Freiheit, um ihre Liebsten, um die Menschen, die gerade fern und doch so nah um ihr Leben bangen. Ich möchte das alles nicht nochmal wiederholen. Ich denke, die Mehrheit von uns ist gegen Krieg. Und das ist gut so. Denn

eigentlich könnte es so schön sein!

Es gibt mittlerweile wirklich viele Hilfsangebote. Finanziell, humanitär, aktiv und passiv. Für Erwachsene, für Kinder, für Tiere. So viele Menschen und Organisationen setzen sich für die Menschen und Tiere in der Ukraine ein. Das ist MEGA. Mir ist sehr wohl bewusst, dass es auch noch ganz viele andere Stellen in anderen Ländern und natürlich auch bei uns in Deutschland gibt, an denen geholfen und unterstützt werden muss.

Wenn sich jeder von uns für ein bisschen mehr Menschlichkeit einsetzt – egal wo auf unserem Planeten, dann können wir viel erreichen!

Wenn jetzt jeder ein bisschen was von dem gibt, was er hat und/oder gut kann, dann wird zwar nicht ein Einzelner die Welt retten, aber vielleicht retten wir die Welt für einen Einzelnen! 

Ich z.B. kann gut „Hund“ und „Mensch“. Deswegen habe auch ich mich dazu entschlossen, Spenden zu sammeln. Ich werde am Ende eine Organisation auswählen, die Menschen und Tiere in bzw. aus der Ukraine unterstützt. 

„Warum soll ich zur Hundewelt SAM gehen und spenden, wenn ich doch auch direkt an eine Organisation spenden kann?“, werden Sie sich vielleicht fragen. Direkt spenden ist natürlich super! Bitte tun Sie das! Aber falls Sie für Ihr Geld noch eine Gegenleistung in Form unserer zusätzlichen Angebote haben möchten, dann kommen Sie zu uns!

Wir haben extra für diese Spendenaktion Zusatzangebote geplant:

  • Beratung (45 min.) für 75,- € (online über Zoom oder telefonisch oder persönlich bei uns in Lorsch auf dem Übungsgelände)
  • Samstag, 05.03., ab 14:00 h Praktische Einführung ins Mantrailing für 75,- €
  • Zeit verbringen mit einem unserer Therapiehunde (45 min.) für 75,- €
  • Social Walk (Spaziergang in der Hundegruppe mit kleinen Übungen) für 30,- € an folgenden Terminen:
    Mittwoch, 02.03.
    Donnerstag, 03.03.
    Freitag, 04.03.
    Montag, 07.03.
    Donnerstag, 10.03.
    Freitag, 11.03.
    jeweils von 9:00 – 10:00 h, Treffpunkt wird noch bekannt gegeben. 

ALLE Einnahmen aus unseren Zusatzangeboten ab heute, 28.02.22 bis Freitag, 11.03.22 werden wir VOLLSTÄNDIG spenden! Ihr dürft natürlich auch jederzeit aufrunden!

Machen wir es wie das Pflänzchen, das sich seinen Weg aus dem harten Boden zurück erobert hat! Das Leben ist schützenswert und kann so schön sein! Helft mit und habt gleichzeitig noch Spaß!

Sabine Müller
Hundewelt SAM, Lorsch

„Hä??“ oder „Willkommen Pubertät!“

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Es gibt Tage und es gibt Tage. Heute war so ein Tag. Man wacht morgens wie immer auf und denkt sich: „Ach, das wird heute bestimmt wieder ein super Tag!“ Und ziemlich gleich nach dem Frühstück merkt man, dass etwas in der Luft liegt. Es riecht nach Hormonen. Sollte bei Mehrhundehaltung nichts wirklich Ungewöhnliches sein. Also noch schnell den Kaffee leer getrunken und die Hunde ins Auto geladen. 

Bereits beim Einladen war das jetzt gut 10 Monate alte Ding schon e bissi widerspenstig und hat sich mehrmals bitten lassen, endlich einzusteigen. Am Ziel angekommen (Hundeplatz – weil im Anschluss noch was geübt werden sollte), die Hunde einer nach dem anderen ausgeladen. Sie wissen, dass sie erst raus dürfen, wenn sie Ruhe halten. Normalerweise. Heute mache ich die Tür auf und mir schallt ein ohrenbetäubendes Gekreische entgegen! Vom 10 Monate alten Ding. Es war nicht dieses leise, nette „Wiwiwi, bitte, bitte, liebes Frauchen, darf ich auch mit raus?“ Nein. Es war ein „Alte Frau, mach hinne und schwing die Hufe. Ich will SOFORT raus!“ Kennt Ihr das aus Comics: Jemand macht eine Tür auf und es bläst ihm sämtliche Haare, Backen, Augenwinkel nach hinten, weil er so angeschrieen wird? Jo. So sah ich gefühlt aus. 

Aber ich bin ja recht robust, was Anschreien angeht. Also alle, bis auf das 10 Monate alte Ding, ausgeladen und das Auto wieder zu gemacht. Oh. Was nu? Plötzlich Ruhe im Karton. Hm. Auto wieder auf und erneut eine Orkanbrise original Bloodhound-Geläut abbekommen. Tür wieder zu. Ruhe. Eigentlich, so dachte ich, ist es ja kein soooo dummes Kerlchen und wird sich wieder beruhigen und sich erinnern, dass es nur mit Ruhe aus dem Auto geht. Also Tür wieder auf. Und siehe da: Es sitzt ganz ruhig in der Box und glotzt. Und weil Glotzen ja kein Geräusch macht, durfte es dann auch aussteigen. Aus Gründen hatte ich vorher eine Leine dran gemacht. Wir üben nämlich gerade, dass nicht sofort nach dem Aussteigen losgestürmt werden soll. Das hat auch heute soweit gut geklappt. Zumindest bis zu dem Punkt, an welchem die Vorderpfoten den Boden berührt haben. Etwas präziser: Es hat geklappt für die Zeit der Flugphase aus dem Auto auf den Boden. Mein „Sitz“ klang dann eher wie ein „Siiiiiiuuuuaaaaccccchhhhhgggg“ und meine Schulter sang im Duett mit, als der Kerl mit seinen mittlerweile geschätzten 40 kg mit mir am anderen Ende der Leine lospreschen wollte. OK. Übermorgen gehe ich wieder zu meiner Lieblingsphysiotherapeutin, die wird mich schon wieder hinbiegen. 

Ich musste dann auch kurz mal laut werden. Wer mich anschreit, muss mit einer Antwort rechnen. Danach ging’s dann besser. Zumindest mit mir. Während sich der Rest der Hundegruppe mit Schnüffeln und Rumlaufen beschäftigte, musste das 10 Monate alte Ding angeleint und gesittet mit mir über den Platz schlendern. Ohne Schnüffeln. Ohne Zerren. Ohne Pinkeln. Na, geht doch! Der Puls war offensichtlich wieder runter von 380 auf gesunde 70. Also Leine ab und freigegeben. Die ersten paar Runden waren noch gechillt. Dann wurde es wüster, rempeliger, lauter, das 10 Monate alte Ding kam im Schweinsgalopp an mir vorbei gestürmt, seinem besten Kumpel (auch gerade mal zwei Jahre alt) hinterher. Es sah aus wie ein Rhodesian Ridgeback – sämtliches Fell von vorne bis zum Pürzel aufgestellt. Der Blick ganz wild. Die Nase gekräuselt. Wenn er welche gehabt hätte, dann hätte er sich noch Rasierklingen unter die Achseln geschoben, so dicke Arme hat er gemacht. Zum Glück ist sein Kumpel sehr schnell und wendig. Das hat es noch mehr angestachelt! Irgendwann musste ich dann mal eine Ansage machen. Bevor dem Ding noch was zu Kopfe steigt. 

Na ja, nach einer Weile wurde es dann auch ruhiger und konnte sich entspannen. Wieder zu Hause angekommen, ist es sofort komatös umgefallen und hat erstmal gepennt. Hormone scheinen müde zu machen. 

Auf der Abendrunde (ich war alleine mit dem 10 Monate alten Ding unterwegs) hatten wir dann genau das Gegenteil vom Vormittag. Vom Proll zum Schisser. Alles war unheimlich. Jedes Auto, jeder Mensch, jeder Busch musste gründlich angeglotzt werden. Könnte ja ein Alien sein. Das böse Frauchen hatte dann auch noch die Idee, sich einfach mal auf einen Supermarktparkplatz zu stellen und dem bunten Treiben dort zuzuschauen. Eine einzige Katastrophe für das Ding, welches kurz vor dem Nervenriss war. Gefährliche Einkaufswagen, unberechenbare Menschenmassen (es waren in der ganzen Zeit ca. 15 Personen nacheinander auf dem Parkplatz), höllenmaschinenähnliche Fahrräder und so weiter und so weiter. Ich sagte ja bereits, dass es sich bei dem 10 Monate alten Ding um einen Bloodhound handelt. Sollte jemand diese Rasse kennen, dann weiß derjenige, dass die gerne mal sabbern. Und genau so ein Sabberfaden (Insider nennen es Bloodhoundglitzer) hing ihm nun am Maul. So ca. 20 cm lang. Am Stück. Zäh. Nicht idealerweise standen wir gleich neben dem Fahrradständer. Da war nur ein Fahrrad angekettet. Hab ich mir gar keine Gedanken drüber gemacht, als ich mich mit dem Ding dort platziert habe. Jetzt kam allerdings der Besitzer des Rads aus dem Supermarkt zurück und fing an, seine Sachen aus dem Einkaufswagen in einen Rucksack umzupacken. Das 10 Monate alte Ding beobachtete alles ganz genau und äußerst skeptisch. Und der Sabberfaden wurde immer länger. Ich addierte im Kopf schon Länge x Abstand x Zeit und kam zu dem Schluss, dass der Sabber – sollte das Ding sich jetzt schütteln – locker das Fahrrad erreichen könnte. Aber in Mathe war ich schon in der Schule eher Durchschnitt. Es machte kurzfristig PLOPP und der Sabber klebte vor dem Ding auf dem Boden. Ich hatte wohl die Masse bzw. das Gewicht nicht mit eingerechnet. 

Nach einer Weile verließen wir den Parkplatz und setzten unseren Spaziergang fort. Wobei Spaziergang in den höchsten Tönen geschmeichelt ist. Es war ein Spazierzerren. Bis heute Morgen hatte alles noch so gut geklappt: Entspanntes Laufen auf meiner Höhe, kein dauerndes Seitewechseln, lockere Leine, aufmerksamer Hund … Und über Nacht – ZACK – alles vergessen! Willkommen Pubertät! Ick freu mir. Fangen wir halt wieder von vorne an. 

Falls jemand in der nächsten Zeit einen großen, sabbernden Hund sieht, der eine kleine Frau hinter sich herzieht, dann sind wir das! Aber keine Angst, ich hab alles im Griff! 

Und wie sag ich immer so schön zu meinen Kunden:

Bei Hunden geht alles schneller als bei uns Menschen! Sie sind schneller sauber, man kann sie schneller alleine lassen, sie werden schneller vernünftig! Folglich geht auch die Pubertät schneller vorbei! Was für ein Glück!

Bin mal gespannt, was sich das 10 Monate alte Ding noch alles einfallen lässt … Aber ich mag ihn immer noch! Und wenn ich gut drauf bin, kann ich sogar drüber lachen!

Ich? Moi? Never ever war ich das! 🤣

Ich geb Dir einen Engel mit …

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Jetzt sitze ich hier und versuche, ein paar Gedanken zu ordnen, während mein mittlerweile 35 kg schweres Nesthäkchen bei mir liegt und selig schnarcht. Hoffentlich lenkt er mich nicht zu sehr ab. ;o)

Mein Nesthäkchen Hokuspokus, 9 1/2 Monate alt

Die Zeit zwischen Baum und Borke, zwischen Alt und Neu, zwischen Verabschiedung und Neubeginn. So oder so ähnlich fühlen wir uns oftmals in den Tagen „zwischen den Jahren“. So auch jetzt wieder. Heute ist der 30. Dezember, also kurz vor dem Jahresende. Mir geht es in dieser Zeit oft so, dass ich ein bisschen ruhiger werde, dass ich über das zurückliegende Jahr nachdenke, dass schöne und nicht so schöne Erinnerungen nochmal wach werden. Die letzen zwei, drei Jahre habe ich mir in diesen Tagen „social media frei“ genommen. Das hat sich zuerst ziemlich komisch angefühlt, wurde aber mit jedem Tag besser, freier, entspannter. Ich konnte loslassen, fühlte mich nicht mehr wichtig, musste nicht alle paar Momente aufs Handy starren, ob da irgendwelche Anrufe oder Nachrichten angezeigt wurden. Ich konnte nach all meinen Terminen und Verpflichtungen, die ich über das Jahr hatte, endlich mal einfach nur so vor mich hin dümpeln. Das war ungewohnt, aber schön. 

Dieses Jahr habe ich es nicht geschafft, mich von Handy und Computer abzunabeln. Es war weniger als sonst, aber ganz abgestellt habe ich es nicht. Warum? Weil sich doch noch ein paar Kunden mit Fragen oder Termin- bzw. Beratungswünschen gemeldet hatten? Weil ich kribbelig wurde, wenn ich mal ein paar Stunden nicht das Handy gecheckt hatte? Weil ich mich „zu-ständig“ fühlte? Zu-ständig für was? Sicherlich waren das alles in den Augen der Anderen wichtige Anliegen, aber sie hätten auch problemlos ein paar Tage Aufschub verkraftet. Menschen, die irgendwo angestellt sind und zwischen den Jahren Urlaub haben, sind doch auch für ihren Arbeitgeber in den meisten Fällen nicht erreichbar. Und das ist auch gut so. Aber wenn man selbstständig ist, ist das oft was anderes. Da fällt es oft schwer, sich nicht 24/7 zu-ständig zu fühlen.  

Ich geb Dir einen Engel mit …

Mein Jahr hatte, wie bei den meisten anderen Menschen auch, Höhen und Tiefen. Ich hatte so viele schöne Momente mit lieben Menschen, mit meinen Hunden und in der Natur. Daran erinnere ich mich sehr gerne zurück. Diese Erinnerungen geben mir Kraft. 

Ich musste mich aber auch von einem lieben Freund verabschieden, der viel zu früh gestorben ist. Ich hoffe, ich konnte seiner Familie ein wenig Halt geben. Ein anderer naher Mensch ist ebenfalls schwer krank und man weiß nicht, wie es weitergeht. Ich habe seine Frau als „Favorit“ in meinem Handy markiert, so dass sie mich jederzeit erreichen kann. 

Und ich hatte auch ein paar Tage, in denen ich nicht wusste, wie es weitergeht. In denen ich Angst hatte. Angst, dass ich „da“ nicht gut rauskomme. Es fing damit an, dass ich plötzlich starke Bauchschmerzen bekam. Am zweiten Tag war mir klar, dass das keine normale Magen-Darm-Verstimmung war. Mein Hausarzt war auch ratlos, schaute mich mit ernstem Blick an und riet mir eindringlich, mich ins Krankenhaus zur Abklärung zu begeben – SOFORT. Wenn es einem eh schon schlecht geht, dann rutscht einem bei so einer Empfehlung noch mehr das Herz in die Hose. Dann kam das volle Programm: Notaufnahme (in Zeiten von Corona noch schlimmer als sonst schon), ein nächtlicher Untersuchungsmarathon, zwei Verdachtsdiagnosen, welche jede für sich eine Not-OP rechtfertigen würden, die Aufklärung für die OP und noch weitere Untersuchungen, weil die zuständige Oberärztin vor meiner noch eine andere OP durchführen musste und in der Zwischenzeit eben noch ein anderes MRT angefertigt werden sollte (quasi als Lückenfüller und zur sinnvollen Zeitüberbrückung bis zur OP, um nochmal was abzuklären). Zu diesem Zeitpunkt lag ich bereits seit ein paar Stunden auf einer Pritsche im Flur der Notaufnahme. Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf. Was, wenn ich da nicht gut rauskomme? Was, wenn ich da gar nicht mehr rauskomme? Ich dachte an meine Familie, meinen lieben Mann, meine Hunde … 

Ich bin jetzt nicht das, was man einen gläubigen Christen nennt. Aber ich glaube, dass es „etwas“ nach dem Tod gibt und dass ich all meine Lieben dann wiedersehen werde, in welcher Form auch immer. In sehr schweren und lebensbedrohlichen Situationen nehmen die Gedanken an das „Danach“ doch einen großen Raum ein, wie ich mal wieder feststellen musste. 

Meine Begleiter über Tage …

Nach dem letzten MRT und einer gefühlten Ewigkeit, in der die Ergebnisse von den Spezialisten besprochen wurden, kam die Oberärztin wieder zu mir und teilte mir mit, dass eine OP erstmal doch nicht nötig wäre und dass sie es jetzt mit Medikamenten und Schmerzmitteln versuchen würden in den Griff zu bekommen. Dann musste sie schon weiter zum nächsten Patienten. Ich bekam ein Bett auf Station und jede Menge Beutel angehängt. Sobald der eine leer war, kam schon der nächste dran. Die Schmerzmittel halfen und es ging mir nach ein paar Tagen schon wieder viel besser. Deshalb wollte ich nach Hause. Der zuständige Stationsarzt wollte das nicht. Meine Infusionsnadel war verstopft und es kam eine ganz liebe junge Frau aus dem OP und legte mir eine neue. Wir unterhielten uns. Sie fragte, ob ich nach Hause möchte. Ja, das wäre sehr schön. Es geht mir schon wieder fast gut und zu Hause kann ich mich bestimmt besser erholen als hier auf Station, wo kaum Ruhe herrscht und man fast keinen Schlaf bekommt. Sie sagte, dass sie sich meine Akte anschauen und dann mit dem Arzt reden würde. Nach einem halben Tag kam sie zurück und sagte, dass ich nach Hause gehen dürfte, sie hätte mit dem Arzt gesprochen! Meine Medikamente könnte ich auch als Tabletten weiter nehmen. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass sie sich um mein Anliegen tatsächlich nochmal kümmern würde, denn im Krankenhaus herrscht seit Corona noch mehr Ausnahmezustand als sonst und jeder ist am Rennen. Am selben Abend war ich wieder zu Hause. Es dauerte noch ein paar Wochen, bis ich wieder ganz fit war. Heute bin ich es zum Glück. 

Ich geb Dir einen Engel mit …

Nach dieser Erfahrung wurde ich noch ein kleines bisschen mehr demütig. Demütig, dass ich zu den Privilegierten gehören darf, die medizinische Hilfe in Anspruch nehmen können. Demütig, dass ich ein so schönes Zuhause habe, in dem ich geliebt werde. Demütig, dass sich fremde Menschen so gut um mich gekümmert haben, dass ich schnellstmöglich wieder nach Hause und heute wieder ein beschwerdefreies Leben führen darf. Danke, Universum!

Danke, dass ich so tolle Kunden habe, die sich immer wieder nach mir erkundigt haben und mir viele gute Gedanken geschickt haben. Danke, dass mich kein einziger Kunde verlassen hat, weil ich in dieser Zeit ja doch viele Termine absagen musste. Danke, Universum, dass es danach genau so gut weitergeht wie davor!

Ich geb Dir einen Engel mit …

Im Herbst habe ich mir einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Ich engagiere mich seit vielen Jahren mit meinen Hunden in Pflegeheimen und Kinderheimen in der tiergestützten Therapie und habe in Folge dessen schon einige Bewohner bis kurz vor ihrem Tod begleitet. Es ist auch schon vorgekommen, dass mein Hund, obwohl er die Personen schon lange kannte, bei einem Termin einfach nicht mehr in die entsprechenden Zimmer gehen wollte. Kurz darauf sind die Personen verstorben. Hunde können so viel mehr „sehen“, als wir Menschen. 

Ich habe schon öfter gesagt bekommen, ich sei sehr empathisch. Echt? Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich habe keine Scheu mit Menschen oder deren Angehörigen umzugehen, die schwer erkrankt sind, sich in einer großen Ausnahmesituation befinden oder kurz vor dem Tod stehen. Als junger Mensch hätte ich das nicht gekonnt. Jetzt schon. Und viele eigene, ganz persönliche Erfahrungen helfen mir dabei. 

Wie froh war ich, als sich in der Notaufnahme ein Pfleger kurz zu mir gesetzt hat und mir Mut zugesprochen hat! Wie gut tat es, als die Oberärztin meinen Arm drückte, als ich vor Erleichterung über die abgesagte OP so weinen musste! Und wie dankbar bin ich heute noch der jungen OP-Assistentin, die sich dafür eingesetzt hat, dass ich nach Hause durfte! Und was habe ich für einen großartigen Mann, der mich IMMER unterstützt, egal was gerade ist! Das sind nur die Erfahrungen der letzten Monate. Aber ich musste in den vergangenen Jahren auch andere, unschöne Erfahrungen machen – bei mir selbst und im Familien- und Freundeskreis. Ich wünsche mir, dass keiner alleingelassen wird in einer schweren Situation, wenn er das nicht möchte. Ich wünsche mir, dass alle am Lebensende eine Begleitung haben, wenn sie das möchten. 

Und darum habe ich mir dieses Jahr meinen Wunsch erfüllt und die Ausbildung zur Palliativ- und Hospizbegleiterin gemacht. Die Ausbildung war sehr intensiv, ging sehr tief, hat alte Wunden aufgerissen, aber gleichzeitig den Umgang damit leichter gemacht. Wir haben aber auch so viel gelacht und hatten jede Menge Spaß und ich habe so tolle Menschen kennenlernen dürfen! Danke, Universum, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein durfte!

Ich geb Dir einen Engel mit …

Ich habe ein paar richtig große Herzensangelegenheiten. Und manchmal ist es richtig wichtig, dass man auch mal was Gutes zurück gibt, wenn einem was Gutes widerfahren ist. Mein „Ding“ sind Hunde und Menschen. Daher werde ich auch im kommenden Jahr dafür sorgen, dass unsere Gnadenplätzchen für Hunde belegt sind. Und ich bin für meine Familie und Freunde da, wenn ihr mich braucht! 

Ich geb Euch allen einen Engel mit, der auf Euch im neuen Jahr aufpasst … 

Sabine Müller, Hundewelt SAM, 30.12.2021

Danke, Gaby und Margarete, für eine wundervolle Ausbildung!