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Macht sich hier eigentlich noch irgendjemand Gedanken …?! oder „Rücksicht ist die neue Intelligenz“

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Ich war heute mit meinen beiden „Gemütlichen“ spazieren. Der Eine ist knapp 15 Jahre alt, taub und sieht auch mittlerweile nicht mehr ganz so gut. Entsprechend kann es schon mal vorkommen, dass er sich erschreckt, wenn sich von hinten etwas nähert. Der Andere lebte einige Jahre auf der Straße und dann in einem Shelter und ist als Notfall bei uns gelandet und durfte bleiben. Durch seine Lebenserfahrung auf der Straße kann er sehr gut „hündisch“. 

Wir machten unterwegs eine kleine Pause an einer Bank und genossen die Sonne und die Natur. Schön, wie warm die Sonne schon macht! Die Vögel zwitscherten und wir dösten einfach ein bisschen vor uns hin. Ich glaube nicht, dass weder ich noch einer meiner Hunde ausgestrahlt hat: „Kommt ganz nah zu uns und stört uns ungefragt in unserer Pause, wir wollen unbedingt Kontakt bzw. haben voll die Langeweile …“. Nein, ich glaube es einfach nicht. Eigentlich bin ich mir sicher, dass wir das nicht ausgestrahlt haben. 

Und was passierte? Genau. Das. Das, was unzählige Male passiert, wenn Leute einfach nicht nachdenken. 

Eine Dame mit Hund kam um die Ecke und erblickte uns. Ihr Hund sah uns auch und tippelte ein paar Schritte in unsere Richtung. Konnte er ja. Hatte ja Flexileine dran. Und bestimmt war der Arretierknopf kaputt. Die Dame schaute ihrem Hund zu, wie er auf uns zu kam. Mein Hunde-Opi hatte die Augen geschlossen und döste immer noch vor sich hin. Der Straßenhund setzte sich auf und beobachtete die Situation. Statt endlich mal den Stopp-Knopf an der Flexileine zu drücken, lief die Dame ihrem Hund hinterher mit den Worten: „Meiner muss da jetzt hin. Geht das gut?“ Da ich solche Situationen ja zur Genüge kenne, antwortete ich nur: „Das werden wir sehen.“

Also ganz ehrlich, wenn mir jemand so etwas sagen würde, dann würde ich unverzüglich meinen Hund zurück pfeifen. Es suggeriert doch, dass es ggf. auch mal ins Auge gehen könnte und die anderen Hunde halt mal keinen Bock auf Hallo-Sagen haben, oder?! Aber offensichtlich kam das bei der Dame nicht so an. Es passierte das, was so oft passiert: Der Hund stand vor uns, mein Hunde-Opi erschreckte sich, der Straßenhund stellte sich vor den Hunde-Opi und schirmte ihn ab. Die Dame schaute zu, wie sich die Hunde beschnüffelten. Irgendwann zog sie ihren Hund dann doch weiter mit den Worten: „Ach, meine ist ja schon alt und auch nicht mehr so flott“. Ich saß die ganze Zeit weiter ruhig auf der Bank. Ich konnte im Vorfeld an der Körpersprache der Hunde erkennen, dass das Aufeinandertreffen friedlich ablaufen würde. Hätte ich etwas anderes gesehen, dann wäre ich ganz sicher aktiv geworden. So habe ich es einfach laufen lassen. Und wieder mal den Kopf geschüttelt.

Warum gibt es immer wieder Leute, die einfach nicht fragen, ob ein Hundekontakt in diesem Moment OK ist??? Die Dame ist sicherlich eine ganz Nette, aber ich unterstelle ihr, dass sie keine Ahnung hat von Hundekommunikation und dass sie ihren Hund zu jedem anderen hin lässt, der ihr in die Quere kommt. Und am Ende ist dann halt mal das Geschreie groß, wenn es statt friedlich feindlich zugeht. Und es ist ja dann immer der andere Hund, nie der eigene. Der Eigene tut ja nix. Außer vielleicht mal einen anderen erschrecken. Oder provozieren. Oder, oder …

Boah, ey. Manche raffen es einfach nicht. Ist es wirklich zu viel verlangt, mal kurz nachzufragen, bevor man seinen Hund zu fremden Hunden hin lässt? Ich bin an und für sich ein friedliebender und umgänglicher Mensch, aber auch ich muss deshalb nicht mit jedem in den Urlaub fahren oder einen trinken gehen! Und genau so geht es unseren Hunden auch! 

Einfach mal nachdenken. Wegen einer kurzen Frage ist noch niemandem ein Zacken aus der Krone gebrochen. Und ganz oft geht es nach dem Nachfragen ja auch gut. Aber manchmal halt auch nicht. Aus Gründen, die vielleicht nur der andere Besitzer kennt. Dann lässt man es eben mit dem Hallo-Sagen. Danke!

Man sieht es nicht, welcher von Beiden taub ist, oder?!

Gedanken zum Thema eigener Hund

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Gestern war ich (mal wieder) mit einem unserer Hunde beim Tierarzt. Wir haben ihn von einer Tierschutzorganisation übernommen. Er kommt aus dem Ausland und ist schon etwas älter. Lt. Tierschutzorganisation lebte er 3 Jahre auf der Straße und dann 4 Jahre bei ihnen im Shelter. Er war sehr krank, als man ihn auf der Straße aufgesammelt hat. Er lag am Straßenrand und die Passanten traten nach ihm, damit er weggeht. Im Shelter hat man ihn dann aufgepäppelt und all seine Wunden und Krankheiten behandelt. Es ist ein großer Hund. Ein Mischling. Viele würden sagen, dass er „keine echte Schönheit“ ist. In den Jahren im Shelter hatte er keine einzige Anfrage für eine Adoption. Bis ihn dann doch plötzlich jemand aus Deutschland adoptieren wollte! Seine Papiere wurden fertig gemacht, der Tierarztcheck durchgeführt und er durfte die Reise in ein neues, schönes Leben antreten! Das hoffte man zumindest für ihn. 

Es kam allerdings zunächst ganz anders. 3 Wochen nach Ankunft bei seinem ersten eigenen Menschen in Deutschland wollte ihn die Dame schon wieder loswerden. Angeblich würde er Katzen jagen. Und das geht ja gar nicht! Also tschüss, weg mit dir! Bemühungen, dass er sich an die Katzen gewöhnen könnte oder gar die Zusammenarbeit mit einem Hundetrainer wurden kategorisch abgelehnt (zu viel Aufwand, zu teuer, keine Zeit). Es gab heftige Diskussionen und am Ende fragte uns die Tierschutzorganisation, ob wir ihn notfallmäßig kurzfristig bei uns aufnehmen könnten. 

Menschen sind manchmal komisch. Und ich kann nicht alles verstehen, was sie tun oder nicht tun. Die Dame hat keinen Finger mehr für diesen Hund gerührt und überließ die Abholung komplett der Tierschutzorganisation. Eigentlich sollte man doch denken, dass sie hätte erleichtert sein müssen, dass man ihr den Hund zeitnah wieder abnimmt und dass sie sich zumindest ein bisschen mit selbst darum kümmern würde, dass der Hund zu einem neuen Übergangsplatz kommt. Stattdessen setzt sie der Tierschutzorganisation die Pistole auf die Brust frei nach dem Motto: „Wenn der bis morgen nicht weg ist, dann setze ich ihn bei Ebay rein!“

Also sind mein Mann und ich losgefahren ihn abzuholen. Dort angekommen, sah das Anwesen recht gut aus. Eine Art Bauernhof. Mit „Herrschaftshaus“. Dann standen wir vor dem Hofeingang. Überall hingen Decken auf Leinen, Näpfe standen im ganzen Hof verteilt, viele Hunde und Katzen liefen frei im Hof herum. Aus den angrenzenden Scheunen hörte man es überall bellen. Die Hunde sahen auf den ersten Blick nicht schlecht aus – waren aber alle durch die Bank weg super fett. Wo waren wir hier gelandet? Hundehändler? Wir mussten draußen warten, bis man uns den Hund brachte, der offensichtlich in einem der Nebengebäude untergebracht war. Plötzlich erklang heftiges Geschreie, Fluchen und ein kurzes Jaulen. Und ein Huhn flog hoch. Wir schauten uns an und mussten trotz allem grinsen: Wollte sich der Hund eine gefiederte Wegzehrung mitnehmen? Vielleicht. 

Sie brachte uns den Hund, der sofort freundlich auf uns zu kam und sich anfassen ließ. Die Dame erklärte uns, dass er bis dahin bei ihr in einer Pferdebox gelebt und das Wohnhaus noch nie betreten hatte. Aha. Interessant. Ich weiß, dass in den Schutzverträgen der Tierschutzorganisation steht, dass dem Hund Familienanschluss und ein Leben im Haus gewährt werden muss. Hat ja nicht so geklappt. Und an der Ferse hatte er eine Verletzung, die er sich angeblich zugezogen hatte, „als sie ihn an einer Kette angebunden hatte und er wieder eine Katze jagen wollte“. Also quasi selbst schuld, der dumme Hund!

Ich brauchte meine ganze Impulskontrolle, um nicht richtig unhöflich zu werden. Am Ende durften wir den Hund mitnehmen und gingen erstmal ein paar Meter am Feld spazieren. Dieser Hund war ebenfalls unförmig fett und hatte schlechtes Fell. Und eben diese Verletzung am Bein. Aber er folgte uns anstandslos. Und seine Augen bekamen ein ganz kleines bisschen Glanz, als wir ihn streichelten. 

Die Fahrt zu uns war der Horror für ihn! Ins Auto einsteigen ging nur mit Schieben und Drücken. In die Hundebox ging er gar nicht, also musste er „frei“ mitfahren. Er war total gestresst und wäre am liebsten durch ein Fenster geflüchtet. Zu Hause angekommen gingen wir erstmal wieder eine kurze Strecke mit ihm spazieren. Danach lernte er auf meinem Hundeplatz die anderen Hunde kennen. Dabei gab es Null Probleme, er war freundlich und nett und wurde auch von unseren Hunden gleich gut aufgenommen. Danach kam aber schon das nächste Problem: Er sollte mit ins Haus kommen. Und jetzt bewege mal einen panischen, 33 kg schweren Hund, wenn der nicht will! Es blieb nichts anderes übrig, als ihn wieder hineinzuschieben/-ziehen. Dort legte er sich sofort auf ein Hundeplätzchen und blieb da zwei Tage liegen. Nach diesen zwei Tagen traute er sich zum ersten Mal ein paar unsichere Schritte über den Fliesenboden zu laufen. Er hangelte sich quasi von Teppich zu Teppich, immer zwischendurch auf den Fliesen ausrutschend. Es dauerte ungefähr zwei weitere Wochen, bis er sich einigermaßen im Haus bewegen konnte. Noch heute hat er Angst auf fremden glatten Böden und würden am liebsten Reißaus nehmen. 

Dieser Hund ist besonders. Ich weiß, das sage ich von allen unseren Hunden. Aber dieser ist besonders besonders. Er ist so unaufdringlich und zurückhaltend, er fordert nichts, er macht nichts kaputt und erledigt sein Geschäft immer brav draußen. Er ist von seiner Art her ein ganz sensibler und feiner Hund. Er ist jetzt schon eine Weile bei uns und mittlerweile haben wir ihn adoptiert. Er hat sein Fürimmerplätzchen bei uns gefunden! 

Auch nach dieser Weile blüht er immer noch weiter auf und zeigt uns Seiten von ihm, die mich teilweise beschämen. Er hat sicherlich viele unschöne Dinge in seinem Leben durchgemacht und trotzdem hat er uns sein Vertrauen geschenkt. Das ist so unglaublich und wunderbar! Wenn ich ihn vorher irgendwo gesehen hätte, dann wäre er nicht meine erste Wahl gewesen, das gebe ich offen zu. Aber wenn er jetzt fröhlich neben mir her watschelt (ja, er hat ein bisschen Plattfüße und schielt auch leicht), dann ist meine Welt in Ordnung. Und seine offensichtlich auch. Er ist aus unserer Hundemeute nicht mehr wegzudenken und wir tun alles, damit es ihm gut geht. 

Warum schreibe ich das alles? Weil ich, wie eingangs erwähnt, gestern wieder mit ihm beim Tierarzt war wegen seiner Ferse. Die ist immer noch offen von dem angeblichen „Kettenunfall“. Jetzt bekommt er ein Antibiotikum und wir hoffen, dass es damit endlich abheilt. Wenn nicht, dann stehen weitere Untersuchungen an. Evtl. könnte eine nicht-heilende Wunde auch mit der Leishmaniose zusammenhängen, die er hat(te). Viele Hunde aus dem südlichen Ausland haben Leishmaniose. Oft ist sie mit Medikamenten in Schach zu halten. Aber manchmal auch nicht. Er hatte, als man ihn auf der Straße aufgesammelt hatte, noch weitere Krankheiten. Wir müssen deswegen in regelmäßigen Abständen einen Gesundheitscheck machen lassen. Der ist nicht gerade günstig. 

Da wir mehrere Hunde haben, darunter auch unsere beiden jungen Wilden, habe ich mich noch nach Zeckenschutz erkundigt. Ich verwende normalerweise Zeckenhalsbänder. Aber ich befürchte, dass die bei den ständigen Ringkämpfen unserer Youngster nicht lange am Hund sind. Da wäre dann vielleicht z.B. eine Tablette besser. Die Tierärztin besprach mit mir unterschiedliche Zeckenschutzmittel und nannte mir auch die entsprechenden Preise. Umgerechnet aufs Jahr sind die Tabletten um einiges teurer als meine bisherigen Halsbänder. Und dann kam der Spruch der Tierärztin, der mich überhaupt erst zu diesem Artikel hier inspiriert hat:

„Na, wenn Sie so viele Hunde haben, dann müssen Sie auch für sie aufkommen! Ansonsten sollten Sie vielleicht einfach weniger Hunde halten.“

Sie ist eine tolle Tierärztin und ich weiß, wie sie es gemeint hat. Wir mussten beide lachen! Selbstverständlich bekommt jeder unserer Hunde den passenden Zeckenschutz!

Aber was ist, wenn jemand das nicht bezahlen kann? Oder wenn jemand mit anderen Tierarztkosten völlig überfordert ist? Weiß wirklich jeder Hundebesitzer, wie viel Geld er im Laufe eines Hundelebens in die Hand nehmen muss? Und ich meine nicht nur die außerplanmäßigen Ausgaben für Krankheiten oder gar eine Operation. Wer hat schonmal aufgeschrieben, wieviele laufende Kosten im Monat für seinen Hund anfallen? Und wer hat es hochgerechnet auf 12 – 15 Jahre? Ein Kleinwagen würde da rausspringen! Wahnsinn, oder?!

Ich bin niemand, der fünfundneunzig Halsbänder und dreiundsechzig Leinen für seine Hunde hat. Ich stehe auch nicht auf Chichi. Bei mir muss es praktisch, robust und alltagstauglich sein. Na ja, bissl gut aussehen sollte es natürlich trotzdem. 

Ich bin hauptberuflich Hundetrainerin. Und ich habe zugegebenermaßen manchmal einen etwas gewöhnungsbedürftigen Humor. Aber den verliere ich ganz schnell, wenn mir jemand sagt, dass er mit den Anschaffungskosten und den normalen Futterkosten für seinen Hund schon am Limit ist. Das kann es nicht sein! Bitte, bitte, liebe zukünftige Vielleicht-Hundebesitzer, überlegt euch gut, ob ihr euch einen Hund auch wirklich leisten könnt! Und das über viele, viele Jahre! Und auch, wenn er krank wird! Und auch, wenn er alt ist! Ich verstehe es nur zu gut, dass der Wunsch nach einem eigenen Hund sehr groß sein kann. Aber wäre es nicht der Horror, wenn ihr euren geliebten Hund abgeben müsstet, weil mal eine außerplanmäßige Behandlung ansteht, weil er sich z.B. verletzt hat? Das kann immer passieren! Auslandshunde bringen zusätzlich nicht selten Krankheiten mit, die ihr Leben lang behandelt werden müssen, das geht ins Geld!

Diese Kosten müsst ihr mit einbeziehen, wenn ihr darüber nachdenkt, einen Hund zu euch zu nehmen. Alles andere ist kurzfristig gedacht und dem Hund gegenüber mehr als unfair. Es gibt auch andere Möglichkeiten, sich für Hunde zu engagieren ohne sich finanziell über Jahre zu binden. Viele Tierheime freuen sich über zuverlässige Gassigänger. Oder ihr denkt mal darüber nach, einem Hund eine vorübergehende Pflegestelle zu bieten, bis er in sein Fürimmerzuhause ziehen darf. Oder ihr unterstützt einen Tierschutzverein/ein Tierheim mit den finanziellen Mitteln, die für euch möglich sind. Es gibt wirklich viele Gelegenheiten, sich für Hunde einzusetzen, ohne einen eigenen haben zu müssen. Man muss nur ehrlich zu sich selbst sein (und realistisch) und dann entscheiden, ob ein eigener Hund passend ist. Mir bricht es das Herz, wenn Hunde unüberlegt angeschafft und dann nach einer Weile wieder „entsorgt“ werden. Es sind so tolle Lebewesen, jeder von ihnen hat doch ein gutes und beständiges Zuhause verdient. 

Bitte entscheidet nicht nur nach dem Herzen, sondern vergesst auch nicht, eine Hundeanschaffung durchzukalkulieren! Danke! 

Von Tierschutz, Tier-Schützern und wie man sich Pflegestellen und Adoptanten vergrault

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Tierschutz – was ist das für mich? Sagt der Name ja schon: Tier-Schutz, also dass Tiere geschützt werden sollen. Geschützt vor dem Leben auf der Straße (vielleicht gefällt ihnen das Leben auf der Straße ja?), vor Leiden und Krankheiten, die sie nicht ohne menschliche Hilfe bewältigen können, vor Schmerzen und nicht artgerechter Behandlung (dazu muss man wissen, was artgerecht überhaupt bedeutet), vor Quälereien durch andere Lebewesen (ja, dazu gehört auch der Mensch), usw. Also alles, was wir Menschen meinen, das dazu beiträgt, dass es dem Tier besser geht als in seiner aktuellen Situation. Sprich alles, was dem Tier zu einem artgerechten und glücklichen Leben verhilft. Und was genau das ist, definiert der Mensch. Der Tier-Schützer.

Es gibt unzählige Tierschutzorganisationen im In- und Ausland, die sich für das Wohl von Tieren einsetzen. Oder es zumindest vorgeben. Die meisten arbeiten mit Pflegestellen. D.h. das Tier wird z.B. direkt von der Straße, aus einem Shelter/Tierheim oder einer Tötungsstation „gerettet“ und bei einer Pflegestelle untergebracht, von der aus es dann an die Adoptanten vermittelt werden soll oder direkt von der Pflegestelle adoptiert wird. 

Wir haben zwischen Februar 2020 und November 2020 sage und schreibe 3 Hunde vom gleichen Tierschutzverein übernommen. Nur einen davon haben wir uns bewusst ausgesucht, die anderen beiden kamen als „Rückläufer“ zum Verein zurück und wir hatten uns bereit erklärt, sie als Pflegestelle kurzfristig bei uns aufzunehmen und somit dem Verein zweimal aus der Patsche geholfen. Auch die beiden Notfälle durften bei uns bleiben und wir sind sehr froh, dass wir sie haben. 

Im November 2020 entschlossen wir uns, noch einem weiteren Hund aus diesem Verein ein Zuhause zu geben, der schon über 3 Jahre darauf wartete, dass sich jemand für ihn interessiert. Wir haben den Hund bewusst ausgesucht und der Verein wusste auch, dass wir ihn behalten würden, wenn alles klappt. 

Leider bekamen wir dann einen Tag vor der Ausreise am 12.02.21 die Schocknachricht, dass es nicht möglich war, bei „unserem“ Hund einen Giardientest durchzuführen (was uns vorher zugesichert wurde, weil wir auch einen alten Hund haben und diesen keiner gesundheitlichen Gefahr aussetzen wollten). Der Verein gab zu, dass es sein Versäumnis war, wollte aber natürlich, dass der Hund am nächsten Tag ausreist. Und wir hatten uns ja auch schon seit über 3 Monaten auf ihn gefreut und einiges für ihn vorbereitet! Wir einigten uns darauf, dass der Hund nach Deutschland auf eine Quarantänestelle kommt und sobald der Giardientest negativ ist, dann zu uns übersiedelt. Wir erklärten uns sogar bereit, „unseren“ Hund am Übergabeort abzuholen und ihn zur Quarantänestelle zu fahren. Als der Fahrer mir den Hund übergab, sind mir fast die Tränen gekommen vor Freude! Der Hund war überaus zutraulich zu uns, freute sich und ließ sich ausgiebig kraulen. Auch auf dem kurzen Spaziergang, den wir nach dem langen Transport mit ihm machten, schloss er sich uns vertrauensvoll und neugierig und ohne jede Scheu an. Wir waren begeistert und froh, dass er die lange Fahrt gut überstanden hatte! Endlich hatten wir ihn bei uns! Jetzt musste nur noch ganz schnell die Quarantäne vorbei gehen!

Den Leuten, die „unseren“ Hund in Quarantäne nahmen, war klar, dass der Hund bei uns seine Pflegestelle und mit ziemlicher Sicherheit auch seine Endstelle hatte. Leider ist es aber nunmal so, dass man den Menschen nur bis vor die Stirn schauen kann. In der Woche der Quarantäne (ich hatte den Hund dort sogar besucht und er hat mit mir gekuschelt, als ob wir uns schon ewig kannten) wurde hinter unserem Rücken gewerkelt und getan und gemacht. Heute hätte ich ihn eigentlich dort abgeholt. Aber heute früh rief mich die Vorsitzende des Vereins an, dass die Leute sich in den Hund verliebt hätten und ihn behalten wollen! Und somit wurde der Hund einfach anderweitig vermittelt, ohne uns zu hören. Dass wir uns schon seit Monaten in den Hund verguckt hatten und bereits 3 Hunde von diesem Verein hatten, spielte auf einmal keine Rolle mehr. Und dann kamen die ganzen Sprüche von wegen alles zum Wohl des Hundes, dann muss er nicht nochmal zu euch umziehen blablabla. 

Es gab kein einziges für uns nachvollziehbares Argument, warum es der Hund dort besser haben sollte als bei uns. Ohne uns wäre der Hund gar nicht erst ausgereist! Und ohne das Versäumnis des Vereins wäre der Hund gleich zu uns gekommen! Dafür wären wir dann gut genug gewesen. 

Wir sind dem Verein bekannt, haben Geld- und Sachspenden gesammelt, sie wissen, dass wir alles für unsere Hunde tun, aber dann gibt man den Hund doch lieber zu fremden Leuten, die sich mal eben „in ihn verliebt haben“! Ich weiß nicht, was da alles gelaufen ist. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Leute von der Quarantänestelle Geschäftsleute sind, die sich einfach immer das nehmen, was sie wollen? Wenn Tier-Schutz so aussieht, dass man die dazugehörigen Menschen auf solch eine Art und Weise behandelt, dann bin ich definitiv raus. Mein Mann und ich sind heute aus dem Verein ausgetreten. Er verliert somit nicht nur eine zuverlässige, kompetente Pflegestelle sondern auch Menschen, die es ehrlich mit dem Tier-Schutz gemeint haben. 

Ich bin maßlos enttäuscht, traurig und wütend, wie man mit uns umgegangen ist.

Meine Hilfe für die Streuner in Sizilien hat sich erledigt. 

Wenn jemand darüber nachdenkt, einen Hund aus dem Tierschutz zu übernehmen, dann kann ich nur eindringlichst zur Vorsicht raten! Sichert euch so gut es geht ab, seid nicht leichtgläubig und gutmütig schon gar nicht. Ich wünsche es niemandem, dass er so eine Erfahrung machen muss! Es bricht mir das Herz, wenn ich an „unseren“ Hund denke. 

Und wenn jemand einen wirklich GUTEN, SERIÖSEN und ZUVERLÄSSIGEN Tierschutzverein empfehlen kann, dann bitte melden! Wir sind nach wie vor bereit, uns für Tiere in Not auf vielfältige Weise einzusetzen, allerdings nicht mehr um jeden Preis!

Tierschutz funktioniert nur, wenn Menschen verlässlich zusammenarbeiten. 

Mach’s gut, kleine Ember, es hat nicht sollen sein! Du kannst nichts dafür, du bist ein toller Hund!

Warum ich jedem eine Bank wünsche

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Heute ist Weltkrebstag. Bereits zum 21. Mal. Immer am 04. Februar. Das Motto dieses Jahr lautet: „Ich bin und ich werde“ und ruft jeden Einzelnen zum Nachdenken auf. Wer BIN ICH und was WERDE ICH anlässlich des Weltkrebstages zur Bekämpfung von Krebs tun?

Sicherlich keine einfache Frage bzw. Aufgabenstellung. Aber das Thema ist wichtig. Richtig wichtig. Nicht nur bei Corona kommen die Einschläge näher. 

Ich für mich kann die Fragen so beantworten:

ICH BIN ein Mensch, bei dem die Einschläge schon richtig nah waren. Zwei- als auch vierbeinig. Was hat das mit mir gemacht? Es hat mit mir gemacht, dass ich (noch) besser hinhöre und hinsehe. Vieles ist erst auf den zweiten Blick – wenn man ihn denn wagt – zu erkennen. Aber nochmal genauer hinsehen ist nicht immer einfach. Leichter ist es, die Frage „Na, wie geht’s dir?“ mit der Antwort „Ach ja, gut“ so stehen zu lassen. Oft spürt man aber, dass die Antwort „nur so daher gesagt ist“ und sich der Andere nicht traut, offen zu sagen, wie es ihm geht. Vielleicht aus Scham, vielleicht aus Zeitmangel, vielleicht weil er gerade nicht darüber reden will, wie es ihm wirklich geht. Aber wenn ich ein echtes Interesse an meinem Gegenüber habe, dann verzichte ich auf solche Floskeln und frage nach. Und schaue genauer hin. Und vielleicht ist es ja tatsächlich gerade das, was mein Gegenüber in diesem Moment braucht. Wenn nicht, wird auch nach meiner genaueren Nachfrage keine andere Antwort kommen. Aber wenn doch, dann erlebe ich immer wieder, mit wie wenig Aufwand man jemandem zumindest mal ein kleines bisschen helfen kann. Ein offenes Ohr und ein offenes Auge, mehr braucht es oft nicht, um seinem Gegenüber zu vermitteln, dass man da ist. Natürlich kann man dann auch Vorschläge machen, Empfehlungen und Ratschläge geben oder von anderen erzählen, die schon in einer gleichen oder ähnlichen Situation waren. Oder man hört einfach nur zu. Aktives Zuhören ist aber nicht immer einfach. Eigentlich ist es eine Kunst. Und wenn man diese Kunst beherrscht, dann macht das was mit mir selbst und mit meinem Gegenüber. Es bringt uns näher. Irgendwie. 

ICH WERDE versuchen, mein Hinhören und Hinsehen auch in Zukunft weiter zu verbessern. Ohne mich selbst dabei zu verlieren. Auch das ist nämlich nicht immer einfach und oft eine Kunst. 

Ich habe viele Stunden auf einer der Bänke im Garten der Palliativstation der Thoraxklinik in Heidelberg verbracht. Oft auch schweigend. Aber immer war ich meinem Gegenüber ganz, ganz nah. Und ich bin unendlich dankbar dafür. 

Ich wünsche mir, dass auch andere Menschen so eine Bank finden und dort in tiefer Verbundenheit mit jemandem sitzen dürfen. Egal ob zwei- oder vierbeinig. 

Kopfschütteln oder warum es nicht immer lustig ist, ein Hundetrainer zu sein …

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Heute hatte ich wieder ein Einzeltraining mit einer ganz lieben Familie (Eltern und 2 kleine Kinder) und ihrem Labrador Retriever-Mädchen. Wir hatten vorher schon zwei Termine, in welchen wir geübt haben, dass der Hund sich mehr auf seine Menschen konzentriert und sich nicht mehr so von fremden Hunden ablenken lässt. Das hat auch schon recht gut geklappt. 

Wir trafen uns heute am Festplatz in Lorsch zu einer weiteren Trainingseinheit. Dort war bereits eine andere Hundeschule zu Gange und machte Gruppenunterricht. Ich freue mich sehr, dass unsere „Zunft“ endlich wieder mit Gruppen arbeiten darf! Warum weder die Trainer noch die Teilnehmer Mund-Nasen-Schutz trugen, erklärt sich mir allerdings nicht. Die Abstände lassen sich nunmal nicht immer so einhalten, wie es die Corona-Regeln vorschreiben, wenn man mit Hunden arbeitet. Das hat man heute wieder schön gesehen. Hat aber offensichtlich in dieser Gruppe niemanden interessiert. Sollten wir nicht alle an einem Strang ziehen, damit wir diese „blöde“ Zeit mit all ihren Einschränkungen schnell wieder hinter uns lassen können? Ob und wie sinnvoll es ist, im Freien eine Maske zu tragen, steht hier nicht zur Debatte. Ich finde es aber wichtig, dass man sich an die Regeln hält, damit wir in unserem „Berufsstand“ nicht wieder ein Berufsverbot bekommen! Wir waren auf jeden Fall mit unseren Masken unterwegs und nein, keinem von uns hat das Spaß gemacht, aber wir haben es trotzdem getan! 

Ich hatte auch einen meiner Hunde dabei. Wir sind dann unseres Weges gegangen und haben fleissig geübt. Die Kinder waren lustig und haben sich mit meinem Hund beschäftigt, während die Eltern abwechselnd mit dem eigenen Hund trainierten. Mal klappte es prima, mal war die Hündin wieder abgelenkt. So ist das nunmal im Hundetraining: Es gibt keinen „An-/Aus-Knopf“, über den sich der Hund steuern lässt. Die Besitzer sind sehr eifrig und gewissenhaft und wir sprachen immer wieder über verschiedene Dinge, die ihr Training betrafen. Auf dem Rückweg von Lauresham kommend und fast wieder auf der Straße angekommen, kam uns eine Dame mit Hund entgegen. Selbst ein Nicht-Hundebesitzer hätte erkannt, dass wir am Üben waren und dass mein Kundenhund gerade wieder etwas aufgeregt war beim Anblick des fremden Hundes. Statt einfach an uns vorbei zu gehen, ließ die Dame ihren Hund von weitem von der Leine. Der Hund stürmte natürlich direkt auf uns zu und brachte meinen Kundenhund noch mehr in Unruhe. Zum Glück reagierte mein Kunde besonnen und versuchte, den fremden Hund von seinem eigenen fern zu halten. Daraufhin kam der fremde Hund zu mir und belästigte meinen Hund. Und bis hierhin immer noch keine Regung der fremden Dame. Sie ging dann mit großen Augen kommentarlos an uns vorbei. Irgendwann folgte ihr auch ihr Hund. 

Was soll das??? Ist es Ignoranz? Ist es Unkenntnis? Egoismus? Ist es dieses Denken „die machen das schon unter sich aus“? Oder ist es einfach nur Dummheit??? Ich weiß es nicht. Aber manchmal, so wie heute, macht es mich sauer.

Meine Kunden lernen, dass sie bitte ihren Hund so zu führen haben, dass von ihm kein Schaden ausgeht und dass er anderen Lebewesen kein schlechtes Gefühl zufügt. Wenn ich sehe, dass jemand seinen Hund an der Leine hat, dann nehme ich meinen Hund zu mir, unabhängig, wie lieb und nett und wohlerzogen mein Hund ist. Es hat einen Grund, warum ein Hund an der Leine ist. Und den Grund kennt einzig und allein der Besitzer! Mir als „Passant“ steht es nicht zu, zu beurteilen, ob der angeleinte Hund Kontakt zu meinem freilaufenden Hund haben möchte oder nicht. Und wenn mein freilaufender Hund einen guten Gehorsam hat, dann ist es auch kein Problem, ihn mal kurz heranzurufen, bis wir den angeleinten Hund passiert haben. Oder? Ich habe immer mal wieder das Gefühl, dass sich bestimmte Hundebesitzer daran ergötzen, wenn sie ihren Hund ungefragt zu anderen hin lassen und sehen, dass der andere Hundebesitzer gerade schwer zu kämpfen hat mit dieser Situation! 

Ganz zu schweigen von der Fraktion Hundebesitzer, die schon von weitem rufen „Meiner macht nix!“ oder „Ist das ein Rüde oder eine Hündin?“ In diesen Fällen kann man fast immer davon ausgehen, dass der andere Hund entweder nicht hört, wenn er vom Besitzer gerufen wird oder ein Problem entweder mit Rüden oder Hündinnen hat. Für mich gehören diese beiden Fraktionen Hund grundsätzlich erstmal an die Leine bei Hundebegegnungen!

Und für Hundebesitzer, die einen gut erzogenen und mit anderen Hunden verträglichen Hund haben, ist es doch ein Leichtes, ihren Hund kurz zu sich zu rufen, bis der andere Hund vorbei ist, oder?!? Das schadet weder dem eigenen Hund noch bringt es den anderen Hundebesitzer in eine unangenehme Situation. 

Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass Hunde andere Hunde brauchen! Aber ich bin auch der Meinung, dass Hundekontakte kontrolliert ablaufen sollen, damit jeder gut aus der Situation heraus geht und nicht nur der Überlegene eine weitere Kerbe auf seiner Seite der Tafel machen kann und der andere immer unsicherer oder aggressiver wird. 

Leute, was soll das? Wenn jeder ein bisschen mitdenkt und sich auch mal Gedanken darüber macht, wie sich der Andere gerade fühlt, dann müssen die oben beschriebenen Situationen doch nicht sein! Ich glaube an das Gute im Menschen – also auch im Hundebesitzer – und freue mich immer sehr, wenn ich Menschen treffe, die das genau so sehen wie ich. Und wenn ich welche von der anderen Fraktion treffe, so wie heute, dann muss das zwischendurch auch mal raus, wie sch… ade ich das finde. 

Freut euch, wenn ihr einen netten, gut erzogenen Hund habt! Und gebt denjenigen, die noch daran arbeiten, auch die Chance, dass sie einen netten, gut erzogenen Hund bekommen können, statt sie in ihrem Training zu stören!

Interessanterweise habe ich nie ungewollten Hundekontakt, wenn ich mit einem Hund mit Maulkorb unterwegs bin … Da – und nur da – gibt es dann wohl doch kurz Einsicht bei den „Der tut nix-Besitzern“ …

In diesem Sinne: Seid verantwortungsvoll!

Die Glücksexperten haben einen neuen Azubi!

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Am 06.11.2020 kam die kleine Lilly, jetzt Litchi, zu uns – zunächst mal „notfallmäßig“ auf Pflegestelle. Sie kam mit 4 Monaten aus einem Refugio in Sizilien nach Deutschland zu ihrer Familie. Dort war sie 2 Monate und musste leider ihr erstes richtiges Zuhause wieder verlassen, weil es in der Familie Allergien gab. Als sie dann zu uns kam, war sie 6 Monate alt. Ihr Start bei uns war alles andere als leicht. Als ihre Menschen sie abgaben und sich dann verabschiedet hatten, war Litchi völlig neben der Spur. Sie ließ sich nicht anfassen und versuchte mehrmals, uns zu beißen. Ihre Welt war zusammengebrochen. Ich war entsetzt, wie verstört ein so junger Hund schon sein konnte, gerade weil ich mir sicher war, dass Litchi es in ihrem ersten Zuhause richtig gut hatte. 

Aber es half ja nichts, wir mussten alle da irgendwie durch. Es war klar, dass Litchi mit uns nach Hause ging und dort nicht nur mit uns sondern auch mit den anderen Hunden zurecht kommen musste. Schnell war auch klar, dass wir nicht darauf warten konnten, bis sie von sich aus unsere Nähe suchte – das hätte vermutlich Wochen und Monate gedauert und sie noch viel mehr unter Stress gesetzt. Im schlechtesten Fall wäre es ihr nie gelungen, wieder Vertrauen zu Menschen aufzubauen. Also entschloss ich mich, ihr keine Wahl zu lassen. Sie bekam einen Maulkorb an und wir hielten sie so lange im Arm, bis sie fast vor Erschöpfung einschlief. Wir streichelten sie, obwohl sie versuchte, uns zu beißen. Wir beachteten ihr Gehabe nicht und dachten selbst an etwas Schönes. Das alles klingt einfach, ist es aber ganz sicher nicht. Wenn man einen zappelnden, kreischenden, knurrenden, fletschenden, sich windenden Hund im Arm hat, denkt man schon mal kurz, warum man sich das antut. Die Antwort ist: Weil es in Litchis Fall genau das richtige Handeln war! Man braucht Erfahrung und Hundekenntnis und man muss auch wissen, was man sich selbst zumuten kann, wenn man das macht. Dieses „Halten“ war in diesem Fall angemessen, bei einem anderen Hund wäre es womöglich absolut schädlich gewesen. Man sollte so etwas auf gar keinen Fall „einfach nur mal so“ ausprobieren, denn der Schuss kann auch nach hinten losgehen. Im Zweifel bei Problemen immer einen Fachmann fragen!

Wir konnten das Halten durchziehen und danach war Litchi bei uns wie ausgewechselt. Sie hat seitdem kein einziges Mal mehr versucht, uns zu beißen, sie lässt sich überall anfassen und ist unfassbar verschmust. Bei fremden Menschen und Hunden wurde es erst im Laufe der Zeit besser. Sie zeigt zwischendurch immer mal noch Unsicherheiten, aber im Vergleich zu von vor 11 Wochen sind das jetzt Peanuts. 

Und weil Litchi eben genau bei uns wohnt, war schnell klar, dass sie auch bleiben darf. : O)

Heute auf den Tag ist sie genau 9 Monate alt. Und heute war auch ihr großer Tag! Ich nahm sie das erste Mal mit ins Pflegeheim um zu sehen, wie sie sich macht. Sie ist zu Hause so liebevoll mit uns, das wäre eine super Eigenschaft für die Arbeit mit alten Menschen. Ihr Kumpel Leo, ein „alter Hase“ was die Therapiehundarbeit betrifft, war zur Beruhigung mit dabei. Sicherheitshalber hatte ich einen Mantel für sie mitgenommen für den Fall, dass ich sie wieder hätte ins Auto bringen müssen, weil es gar nicht klappt. Ich war wirklich gespannt, wie sie sich verhält und wie sie mit all den neuen Eindrücken umgeht!

Die elektrische Glaseingangstür fand sie komisch, ging aber zügig mit ins Haus. Dort trafen wir gleich auf die erste Bewohnerin im Rollstuhl, die sich über die Hunde freute und sie gleich zu sich lockte. Beide Hunde liefen schwanzwedelnd auf sie zu und ließen sich streicheln. Da war mir klar, dass Litchi heute erfolgreich sein würde. Der Aufzug war dann nochmal etwas gruselig. Kannte sie auch nicht. Dank Corona sind unsere Übungsmöglichkeiten zur Alltagstauglichkeit ja seit fast einem Jahr sehr eingeschränkt. 

Auf dem Wohnbereich angekommen, traf uns die volle Wucht an Eindrücken: Das Pflegepersonal wuselte hin und her, die Putzkolonne war mit der großen elektrischen Reinigungsmaschine unterwegs, aus dem Zimmern wurde gerufen, im Speiseraum war reges Treiben, auf den Fluren bewegten sich Bewohner in Rollstühlen und mit Gehhilfen, fremde Geräusche und Gerüche … Und Litchi und Leo mittendrin! Und ich mit großen Augen ebenfalls mittendrin. War das wirklich unsere Litchi? Der verstörte, ängstliche, aggressive Hund, den wir vor 11 Wochen zu uns genommen hatten? Wow. Manchmal bleibt auch mir fast die Spucke weg. Litchi ging freiwillig zu den Bewohnern hin, ließ sich streicheln, nahm Leckerlis, registrierte all das Geschehen um sie herum und war – OK. OK mit sich, OK mit den fremden Menschen, OK mit der Umgebung, OK mit mir. Die Kleine hat Leo heute die Show gestohlen! Ich merkte ihr an, dass sie natürlich zwischendurch etwas verwundert und unruhig war, aber kein Gedanke daran, dass ich sie ins Auto zurück bringen müsste, weil sie so gestresst ist! 

Meine Kollegin vom Sozialen Dienst, die mir die zu besuchenden Bewohner vorschlägt und regelmäßig bei der Hundetherapie anwesend ist, war ebenfalls – Zitat – „schockverliebt“ in Litchi! Und was Tiere bei Menschen bewirken können, das haben wir auch heute wieder erleben dürfen: Ein Bewohner, der seit Wochen keine Regungen mehr zeigte und nicht mehr auf Ansprache reagierte, hat auf einmal die Augen geöffnet und die Hand bewegt, als Litchi zu ihm aufs Bett kam! Diese Gänsehautmomente sind nur schwer zu beschreiben …

Ich habe mit vielem gerechnet, aber dass es SO gut läuft, hätte ich nicht gedacht! Litchi hat heute ihren ersten Eignungstest als Therapiehund mit Bravour bestanden! Ich bin meeeegaaaaa stolz auf sie!! Jetzt wird auch sie Azubi bei den Hundewelt SAM-Glücksexperten! Wer hätte das vor ein paar Wochen gedacht …

Ich möchte hier nochmal eine Lanze brechen für alle, die mit viel Sachverstand und Kompetenz Tiere in der Therapie von Menschen einsetzen. Es gehört viel Geschick, Empathie, Wohlwollen, Akzeptieren können, Ehrlichkeit gegenüber dem eigenen Tier und seinen Fähigkeiten, Knowhow in Bezug auf Hunde, ihr Verhalten und ihre Bedürfnisse, Selbstkritik, der gute Umgang mit Misserfolgen, Teamfähigkeit, Zulassen, dass Alter, Krankheit und Tod zu uns gehören sowie die Liebe zu Menschen dazu, wenn man ein Tier für eine solche Arbeit einsetzen möchte. Das lernt man nicht mal so nebenbei. Es ist soviel mehr als „nur Hunde streicheln“! Wobei ich mich auch über jeden gut erzogenen, freundlichen Hund freue, der mit einem Angehörigen einen Bewohner im Pflegeheim besucht. Denn: Tiere können auch noch dorthin, wo wir Menschen nichts mehr erreichen – ganz tief in unser Inneres. Ich bin dankbar und ehrfürchtig für das, was ich mit meinen Hunden tun und erleben darf. Und sehr glücklich, dass immer wieder Hunde in mein Leben treten, die es anscheinend gut mit mir meinen.