Fleppo

Fleppo, Malinois, geb. 2001:

Bei einem Spaziergang 2002 erreichte mich ein Anruf einer Bekannten, dass „ganz dringend“ ein Malinois-Rüde abzugeben wäre, sonst drohe ihm das Tierheim. In meinem Kopf fing es an zu rattern. Ein Mali! Schon lange faszinierte mich diese Rasse! Kurzentschlossen fuhren wir zu dem jungen Mann, der ihn abgeben wollte, weil er nicht mehr mit ihm zurecht kam: Der Hund blieb nicht alleine, fraß sämtliche Möbel an und verteilte seine Hinterlassenschaften in der ganzen Wohnung. Hm. Brauchte ICH das? Eigentlich nicht.  Wir machten trotzdem einen gemeinsamen Spaziergang, und Fleppo (kommt von „Fleck am Po“, eine dunklere Stelle im Fell), damals 11 Monate alt, zeigte sich malitypisch völlig abgedreht mit seinem Ball. Aber er war freundlich mir gegenüber, und man konnte sich kaum vorstellen, dass er im Haus solche Szenen veranstaltete. Ich war unschlüssig und wollte eine Nacht drüber schlafen. Am nächsten Tag stand es fest: Wenn der Hund körperlich gesund ist, dann nehme ich ihn.  Schließlich wollte ich ja weiter Rettungshundearbeit betreiben (und dafür muss der Hund nun mal gesund sein). Und ein Mali ohne Beschäftigung ist wie eine tickende Zeitbombe. Wir machten einen Termin beim Tierarzt aus, wo Fleppo gründlich untersucht und geröntgt wurde. Ergebnis: Alles OK! Der junge Mann hatte schon einen Rucksack mit Fleppo´s Sachen dabei (Bällchen, Bürste, Futter etc.), denn er hoffte sehr, dass ich ihn nehmen würde. Also zog Fleppo gleich nach dem Tierarztbesuch bei uns ein. Die folgenden Monate waren seeeehr anstrengend. Fleppo klebte an mir wie eine Klette und hatte immer noch solche Verlassensängste, dass er – selbst wenn er nur 3 min. alleine war – sofort Durchfall bekam und Sachen zerstörte. Mein Verbrauch an Putzmitteln war in dieser Zeit enorm. Ich hatte damals das Glück, dass ich meine Hunde mitnehmen konnte zur Arbeit. Fleppo ging mit mir auf die Toilette, an den Kopierer, zum Briefkasten … Selbst wenn ich nur den Bürostuhl ein wenig nach hinten schob, um etwas aus dem Schrank zu holen, stand er sofort neben mir mit weit aufgerissenen Augen: Geh nicht ohne mich weg! Ich entschloss mich nach einer Weile, da es nicht besser wurde, mir Rat bei einer Tierheilpraktikerin zu suchen. Sie behandelte ihn ca. 2 Monate, und Fleppo ging es stetig besser. Er wurde ruhiger und konnte sich endlich entspannen. Ich bin ihr heute noch dankbar, dass sie für ihn die richtigen Mittel gefunden hatte! Alles in Allem brauchte Fleppo knapp ein Jahr, bis er stressfrei alleine bleiben konnte und ich endlich anfangen konnte, mit ihm zu trainieren.  Im Rettungshundetraining zeigte er sich sehr gelehrig und eifrig. Allerdings war er teilweise so eifrig, dass wir ihn immer wieder bremsen mussten. Auch heute bricht es manchmal noch bei ihm durch und er vergisst, dass er bei der Anzeige (er ist ein Verbeller) doch bitteschön ausreichend Abstand halten soll. Na ja, so ist er halt. Mittlerweile haben wir schon etliche Prüfungen Fläche und Trümmer bestanden und sind ein eingespieltes Team. Heute, mit seinen 10 Jahren, wird er etwas ruhiger bei der Arbeit … Fleppo ist ein ganz großer Schmuser, der sich gerne – auch bei fremden Leuten – mit dem Kopf am Arm einhakt und dann so fest drückt, dass schon der ein oder andere „Beschmuste“ fast vom Stuhl gefallen wäre. Wenn wir Fotos von Rettungshundetrainings ansehen, dann gibt es ganz viele von Fleppo, wie er bei irgend jemandem auf dem Schoß sitzt und sich kraulen lässt. Ja, ja der gefährliche Mali!!! Bei uns im Rudel ist Fleppo der ruhende Pol, der sich nur kümmert, wenn es wirklich wichtig ist. Kleinigkeiten überlässt er den Jüngeren. Fleppo begleitet mich bei Trainings in der Hundeschule und bei Therapiehundeinsätzen (z.B. in Pflegeheimen). Ich kann mich immer auf ihn verlassen. Mittlerweile hat er den Spitznamen „Onkel Fleppo“ bekommen, weil er schon den ein und anderen Hundewelpen „durchgemacht“ hat.  Heute ist die Schnauze grau, und er liegt gerne auf seinem Kissen hinter dem Fenster und schaut den Jungen zu, wie sie im Garten toben. Wenn ich ihn jetzt betrachte, dann kann ich kaum glauben, dass das mal der verhaltensgestörte Hund war, der fast im Tierheim gelandet wäre! Fleppo zeigt mir jeden Tag, dass sich damals jede Sekunde der Geduld gelohnt hat! Ich bin sehr stolz auf meinen „alten Mann“.

Am 24.04.14, kurz vor seinem 13. Geburtstag, begleitete ich Fleppo zu seinem letzten Gang über die Regenbogenbrücke. In den 12 Jahren, die wir zusammen waren, waren wir nie länger als ein paar Tage getrennt. Nur er und ich wissen, was wir aneinander hatten. Fleppo, ich danke dir von ganzem Herzen, dass ich 12 Jahre lang an deiner Seite sein durfte und für alles, was wir miteinander erlebt haben und ich von dir lernen durfte. Du warst ein so würdevoller Hund. Und genau so durftest du in Würde gehen, bevor eine Zeit der Qualen angefangen hätte, auch wenn es die schwerste Entscheidung war, die ich für dich treffen musste. Ich weiß, du hättest das selbe für mich getan: Immer, überall und jederzeit! Irgendwann sehen wir uns wieder …