Fiete

Fiete, Sabueso, geb. 2010:

Der jüngste im Bunde und mein „Verhängnis“.

Ich hatte irgendwann mal einer netten Dame von der Galgonothilfe zugesagt, eine erwachsene Galgohündin kurzfristig als Pflegestelle zu nehmen. Mich faszinieren die Galgos sehr. Eines Tages kam ein Anruf mit der Frage, ob ich am Freitag Zeit hätte und einen Hund abholen könnte, ein Notfall. Nach kurzem Überlegen sagte ich ja. Vor dem Auflegen frage ich noch, was es denn für eine Galgohündin wäre. Darauf sie: „Es ist kein Galgo.“ Aber … es ist wenigstens eine erwachsene Hündin, oder??? „Auch nicht, es ist ein Sabueso-Welpe, ein Bub!“.  Super, genau das, was ich bereit war aufzunehmen: Kein Galgo, Rüde, Welpe … Hahaha. Toll. Ob ich denn wenigstens vorher ein Bild sehen könnte? „Klar, ich schicke Ihnen eins!“ Als ich die mail mit dem Bild öffnete war relativ schnell klar, dass ich diesem Wesen einen kurzfristigen Pflegeplatz gewähren wollte, obwohl es keine Galgohündin war. „Welpen werden meist sehr schnell vermittelt!“ hieß es dann noch. Als ich dann freitags abends auf die Autobahnraststätte kam (ja, eigentlich wie im schlechten Film, wo sie mit Hunden auf der Raststätte dealen), traf ich auf zwei sehr nette Menschen, die drei Hunde zu ihren Pflegestellen brachten. Meinen wollte ich natürlich gleich sehen. Sie öffneten eine Box und heraus kamen vier riesig große Füße mit zwei Riesenohren! Drumherum war noch ein bisschen Hund, aber man schaute hauptsächlich auf seine Pfoten und Ohren. „Atay“ kletterte aus dem Auto und wedelte mich freundlich an. Er schien nach der langen Fahrt immer noch gute Laune zu haben! Ich musste zuerst mal kräftig lachen über den kleinen Kerl. Das fand er wohl auch lustig und pinkelte mir gleich mal auf den Schuh. Er wurde in mein Auto verfrachtet, und wir fuhren heim. Da es schon sehr spät war, hatte ich die anderen Hunde „ausgelagert“. Sie sollten den Neuankömmling am nächsten Morgen in aller Ruhe begrüßen dürfen. Auch Atay tippelte mit seinen großen Füßen wie selbstverständlich ins Haus und schaute sich neugierig um. Die erste Nacht verlief ohne Probleme. Am nächsten Morgen traf er die anderen Hunde. Was für eine Freude für den kleinen Kerl! Er überschlug sich förmlich vor Begeisterung. Vielleicht überschlug er sich aber auch, weil er sich beim Laufen ab und zu auf die Ohren trat … Lange Rede, kurzer Sinn: Atay wurde kurzentschlossen umgetauft in „Fiete“, weil das meiner Meinung nach der perfekte Name für diesen Hund war, er lebte sich schnell ein und war ein vergnügter Welpe, der mich sehr oft zum Lachen brachte und der sich super mit den anderen Hunden verstand.  Nach zwei, drei Wochen fragte ich mal bei der Dame nach, ob sich denn schon jemand für Fiete interessiert hätte, denn Welpen gingen ja angeblich sehr schnell weg. Die Antwort war negativ. Also wartete ich weiter. Und amüsierte mich weiter über den kleinen Kerl mit den langen Ohren und großen Füßen. Auch nach weiteren Wochen tat sich nichts in Sachen Interessenten. Fiete lebte sich immer besser ein und freundete sich immer intensiver mit dem Rest des Rudels an. Ich bekam langsam ein ungutes Gefühl, weil dieser Hund mich immer mehr um den Finger wickelte. Ich konnte ihm kaum böse sein, wenn er mich mit seinem verknautschten Gesicht ansah und die Stirn in Falten legte. Außerdem kam er immer häufiger zum Kuscheln. Und das konnte er ja sooo gut! Es vergingen weitere Monate ohne Interessenten. Ich fing an, mit Fiete im Bereich Mantrailing ein bisschen zu arbeiten, um ihn zu beschäftigen. Und siehe da, es schien ihm Spaß zu machen! Er wuchs und gedieh prächtig, ohne dass sich auch nur eine einzige Person für ihn interessiert hätte. Und mir wurde klar, dass dieser Hund mein Verhängnis sein sollte. Ein Hund, der vielleicht nie ohne Leine wird laufen können, weil der Jagdtrieb einfach zu groß ist. Ein Hund, der nur bedingt gehorcht, weil es ihn einfach nicht interessiert, ob er gerufen wird oder nicht. Ein Hund, der sabbert, wenn er aufgeregt ist oder wenn es Futter gibt. Ein Hund, der eine Stimme hat (Fachleute nennen es Geläut) wie eine Feuerwehrsirene. Ein Hund, der Essen vom Tisch klaut, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ein Hund, der Handschuhe und Socken frisst, um sie mir dann später in die Autobox zu kotzen.  Ein Hund, dem ich einfach nicht böse sein kann und nicht weiß, warum das so ist. So einen Hund hatte ich noch nie und wollte ich auch nie. So ein Hund passt auch gar nicht zu mir. So ein Hund führt mich ad absurdum. Und trotzdem habe ich mich entschlossen, ihn zu behalten. Vielleicht gerade deswegen. Vielleicht ist er meine Herausforderung. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben … Just als ich der Dame vom Tierschutz (vielen Dank, Anette, dass du mir so einen einmaligen Hund überlassen hast!) meinen Entschluss mitteilte, sagte sie mir, dass sich sogar zwei Interessenten gemeldet hätten, nach fast 9 Monaten ohne irgendwelche Regungen! Aber jetzt war es zu spät. Jetzt hatte Fiete sein Plätzchen gefunden. Er macht jetzt mit mir die Ausbildung zum Mantrailer. Das Jugendrotkreuz Hockenheim hat für ihn gesammelt, und er hat einen Paten, der sein Futter zahlt (dafür danke ich Euch ganz herzlich!). Er geht mit in die Hundeschule und ins Seniorenheim. Und er hat ein Frauchen, das er völlig um den Finger gewickelt hat … Was will man als Hund mehr?!? Fiete, mein kleiner Drecksack, mein Dickkopp!

 

 

… und trotzdem bin ich stolz darauf, was wir schon zusammen gelernt haben!

 

 

 Update 07.08.11: Fiete hat den Rettungshunde-Eignungstest mit Bravour bestanden!